Wie egal sind uns unserere Senioren? - Der Designer Moll setzt sich für seniorengerechte Gestaltung ein

11.07.2007 Wie ist es, wenn man mit 70 oder 80 Jahren einen Automaten bedient? Wie wirkt sich das Alter auf die Sehfähigkeit aus? Und wie leiden Betroffene unter Sehstörungen? Das kann sich kaum ein Jüngerer vorstellen und deshalb wird dieses bei der Entwicklung von Produkten insbesondere im öffentlichen Bereich wenig beachtet. Jetzt entwickelte der Designer Wolfgang Moll, Inhaber des Designbüros Produkt + Projekt in Ingolstadt, eine Alterssimulation. Diese Software macht die Auswirkungen des Älterwerdens und der häufigsten Sehstörungen bei der Bedienung von grafischen Benutzeroberflächen auch für Jüngere erlebbar. Moll nutzt die Alterssimulation zur Überprüfung seiner Entwürfe für Bedienoberflächen, um so eine seniorengerechte und möglichst barrierefreie Gestaltung sicherzustellen. Produkt + Projekt bietet darüber hinaus auch eine Demonstrationsversion der Alterssimulation zum Download und zur freien Verbreitung an. Auf der Website www.produktundprojekt.de kann diese heruntergeladen werden. Eine Installation ist nicht notwendig, die Anwendung kann direkt gestartet und jederzeit gelöscht werden. Anhand von verschiedenen realitätsnahen oder fiktiven Beispielen, zum Beispiel von Geldautomaten oder Fahrscheinautomaten, kann der Benutzer die Auswirkungen unterschiedlicher Screendesigns direkt erleben. So kann man nicht nur ein Alter von 30 bis 80 Jahren einstellen, sondern auch verschiedene Sehstörungen, wie etwa eine Farbsehschwäche, aktivieren. Die Alterssimulation zeigt aber nicht nur die Veränderung der optischen Wahrnehmung, sie simuliert auch die veränderte Beweglichkeit und Koordination. Sie zeigt sogar, dass es für ältere Menschen schwierig sein kann, die Hand lange auf der Höhe eines Bedien-Displays zu halten. Durch ihren spielerischen Charakter ist die Alterssimulation nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Sie kann deshalb ideal bei Vorführungen und Veranstaltungen eingesetzt werden. Hierzu Wolfgang Moll: "Die Idee zu dieser Alterssimulation kam mir bei den Gesprächen mit Auftraggebern, denen die Problematik der veränderten Wahrnehmung im Alter gar nicht bewusst war. Ich möchte mit dieser Simulation zu einem besseren Verständnis für dieses Thema beitragen. Deshalb biete ich auch interessierten Unternehmen an, deren Bedienoberflächen mit der Alterssimulation zu überprüfen." Der Designer Moll weiß, dass es für Unternehmen wirtschaftlich sehr sinnvoll sein kann, die immer wichtiger werdende Zielgruppe der Senioren stärker zu beachten. Außerdem berücksichtigt Moll bei seinen Designs die Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung, denn nur erfolgreiche Produkte kommen dem Nutzer letztendlich zu Gute.