Sensortechnik bringt mehr Sicherheit für Senioren

03.12.2010 Eine im Durchschnitt immer älter werdende Bevölkerung sorgt für neue Herausforderungen in Medizin und Pflege. Um das Defizit an ausgebildetem Pflegepersonal auszugleichen, wird in der Forschung nach neuen unterstützenden Lösungen gesucht. Dieser Problematik haben sich Wissenschaftler der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) angenommen. Sie untersuchen assistierende Gesundheitssysteme. Betrachtet man die schlichten Zahlen, wird der Bedarf an derartigen Systemen evident, denn im Jahre 2050 werden voraussichtlich nur noch vier Personen zur Versorgung eines Senioren ab 65 Jahren zur Verfügung stehen. Hundert Jahre zuvor waren es noch mehr als zehn. Um den heutigen Versorgungsstandard beizubehalten, ohne dass die Kosten zusätzlich in die Höhe schnellen, wird vermehrt in die Erforschung assistierender Gesundheitssysteme investiert. Die gemeinsamen Forschungsarbeiten der TU Braunschweig und der MHH beschäftigen sich seit 2007 mit solchen Systemen. Eines der obersten Ziele dieser Arbeiten besteht darin, dass Senioren möglichst lange in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus bleiben können. Assistierende Gesundheitstechnologien (AGT) spielen dabei eine entscheidende Rolle. Vor allem im Bereich der Sensorik können viele Forschungsergebnisse genutzt werden, um Senioren das Leben zu erleichtern oder die Sicherheit zu erhöhen. So werden zum Beispiel Sensoren in Gürtel eingebaut. Mit diesen "Bewegungsmeldern" wird anhand von Bewegungsmustern ermittelt, ob die betreffende Person kurz davor ist, zu stürzen. Anhand von weiteren messbaren Daten wie Atemfrequenz oder Blutdruck kann die Gesundheit von älteren Menschen überwacht werden, ohne dass dafür direkt Personal benötigt wird. Vor allem auch für den Klinikbetrieb ist die Sensortechnik von großem Vorteil. So wurde in einer Studie belegt, dass man mit Hilfe der durch Sensoren erstellten Bewegungsmuster mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent angeben kann, welcher Patient innerhalb des laufenden Jahres stürzen wird. Die entsprechende Therapie kann so viel effizienter und zielgerichteter erfolgen. Für die Zukunft erhofft man sich, dass die Sensortechnik auch für den Einsatz zuhause optimiert werden kann. Auf diese Weise könnten Fortschritte von Reha-Patienten effektiv gemessen werden. Auch Reha-Übungen könnten mit Hilfe von Sensoren, ähnlich wie bei Spielkonsolen, zuhause durchgeführt werden. Aktuell kommt die Sensortechnik bereits im Mobilfunkbereich zum Einsatz. So sind einige Seniorenhandys mit einer Sturzerkennung ausgestattet, die im Notfall automatisch voreingestellte Rufnummern anruft oder per SMS alarmiert. Seitens der Forschung äußert man sich optimistisch, dass diese Technik, die noch in den Kinderschuhen steckt, in wenigen Jahren eine noch wichtigere Rolle für die Sicherheit und Pflege von Senioren spielen wird.