Handyortung - Einsatzmöglichkeiten und rechtliche Aspekte

23.06.2015

Moderne Handys sind vielfältig verwendbar, sie sind unter anderem auch bei der Suche nach vermissten Personen, bei Unfällen im unwegsamen Gelände und für polizeiliche Zwecke einsetzbar. Im Falle einer Ermittlung des Standortes einer Person ist dies mit einer Einschränkung der persönlichen Freiheit, insbesondere der Bewegungsfreiheit der Betroffenen, verbunden. Unternehmen und Privatpersonen müssen sich rechtlich absichern und die entsprechenden Datenschutzrichtlinien befolgen.

Was ist GPS Ortung und wie funktioniert sie?

Das Global Positioning System (GPS) ist ein satellitenbasiertes Funknavigationssystem. Die Position einer mit einem GPS-Empfänger ausgestatteten Person kann jederzeit mithilfe von kostenfrei nutzbaren GPS-Satelliten ermittelt werden. Dies ist ebenfalls für die Ortung von Fahrzeugen möglich, für Unternehmen ist etwa das Flottenmanagement interessant. Hierbei liefert ein GPS-Gerät Daten zu Ort, Zeit, zurückgelegter Strecke, Geschwindigkeit sowie auch die Standzeit eines Fahrzeugs. Diese Informationen werden dann im Unternehmen selbst oder von einem Dienstleister ausgewertet. Mit dieser Technologie können beispielsweise die Fahrstile der Außendienstmitarbeiter analysiert werden, um Kraftstoffkosten einzusparen. Beispiele aus der Transport- und Speditionsbranche belegen dies.

Für den privaten Gebrauch sind GPS-Geräte beim “Personentracking” einsetzbar. Dies bedeutet, dass die Positionen dieser Personen dauerhaft ermittelt werden können, solange der GPS-Sender aktiviert ist. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) zeigt in einem Video die Funktionsweise des Trackings mittels optischer Sensoren.

Beispiele hierfür: Eltern können kontrollieren, ob ihre Kinder den vereinbarten Weg von der Schule nach Hause nehmen. Des Weiteren kann der Aufenthaltsort hilfsbedürftiger Personen bestimmt werden, beispielsweise Senioren, die sich verlaufen oder demenzkranke Menschen, die die Orientierung verloren haben. Es können ganze Bewegungsprofile erstellt werden, um die zurückgelegte Strecke einer Person in einem bestimmten Zeitraum zu ermitteln.

Aufgrund der eingesetzten Satellitentechnologie ist die Ortung des Mobiltelefons auf wenige Meter genau möglich, jedoch muss der Suchdienst auf dem jeweiligen Handy aktiviert sein bzw. das Gerät muss entsprechend vorher konfiguriert werden. Diese Einstellungen sind bei einer Ortung über das Mobilfunknetz nicht notwendig.

Mobilfunkmasten sind weltweit auch in entlegenen Gegenden vorzufinden.
Mobilfunkmasten sind weltweit auch in entlegenen Gegenden vorzufinden.

Handyortung mittels GMS-Technologie

Eine weitere Möglichkeit, sich über die Sicherheit und das Wohlergehen einer anderen Person zu vergewissern, ist die Handyortung über das Global System for Mobile Communications (GSM), das standardmäßige Mobilfunknetz. Zahlreiche Mobilfunkmasten, die die meisten Länder und Regionen der Welt nahezu vollständig abdecken, bilden zusammen das Mobilfunknetz, dessen Dichte je nach Ort variiert.

Wie funktioniert die Ortung des Handys mittels GSM-Technologie?

Jedes Mobiltelefon hält ständigen Kontakt zum nächstgelegenen Mobilfunkmast bzw. zu dem Mast mit dem stärksten Signal. Der jeweilige Mobilfunkbetreiber kann anhand des Signals die Entfernung zum Mobiltelefon bzw. Smartphone bestimmen, jedoch lassen sich die exakte Position der Person oder die eingeschlagene Richtung mittels einer einzigen Sendeeinheit nicht ganz genau ermitteln. Befinden sich mehrere Masten im Einzugsgebiet, wird die Ortung durch die sogenannte Triangulation (Dreiecksteilung) genauer.

Unabhängig von der Marke und vom Alter des Geräts kann jedes funktionierende Mobiltelefon geortet werden, ferner sind keine Software-Installationen, Smartphone-Apps oder andere Dienste notwendig. Wie oben bereits ausgeführt, hängt die Genauigkeit der Standortbestimmung von der Dichte an Sendemasten ab, auf dem Land kann die Ortung teilweise ungenauer als in städtischen Ballungsgebieten sein.

Eine Handyortung kann zum Wiederfinden einer Person, die sich verlaufen hat, eingesetzt werden.
Eine Handyortung kann zum Wiederfinden einer Person, die sich verlaufen hat, eingesetzt werden.

Wozu kann die Handyortung mittels GMS eingesetzt werden?

Wenn Senioren sich verlaufen oder sich in einer fremden Umgebung befinden oder ein Notfall eintritt, können die Angehörigen das Handy orten. Nach kurzer Zeit erfahren sie den Aufenthaltsort und können so die Personen in ihre vertraute Umgebung zurückholen. Dies ist auch für die Angehörigen weitaus unkomplizierter und stressfreier, als eine groß angelegte Suchaktion zu starten.

Sicherheit vs. Datenschutz

Neben den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten einer Handyortung sind dabei die datenschutzrechtlichen Aspekte zu betrachten. Bei einer Standortbestimmung wird der betroffenen Person die Kontrolle über den technischen Vorgang entzogen. Durch das dauerhafte Personentracking wird ein lückenloses Bewegungsprofil erstellt, dies stellt einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und unter Umständen eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit dar.

Unternehmen, die das Fahrverhalten ihrer Mitarbeiter durch Flottenmanagement kontrollieren, müssen dies auf einer rechtlichen Grundlage ausüben. Grundsätzlich handelt es sich immer um eine Abwägung zwischen den Interessen eines Unternehmens und den Persönlichkeitsrechten der Betroffenen. Es ist zu überprüfen, ob es sich bei der Datensammlung um ein berechtigtes Anliegen des Arbeitgebers handelt. Berechtigte Anliegen können z.B. die allgemeine Reduzierung der Fahrzeiten, eine effizientere Einsatzplanung im Transportwesen sowie eine transparentere Darlegung der Arbeitsleistung zu Abrechnungszwecken sein. Letzteres dient zudem der Verbesserung der Kundenbeziehungen durch eine Offenlegung der Arbeitskosten.

Rechte des Arbeitnehmers und Betriebsvereinbarung

Eine Einwilligung des Arbeitnehmers kann z.B. durch einen entsprechenden Passus im Arbeitsvertrag erfolgen. Im Falle einer Betriebsvereinbarung sind nach § 87 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) zufolge die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates einzuhalten. Unter gesetze-im-internet.de kann das Gesetz nachgelesen werden. Die Betriebsvereinbarung kann eine Rechtgrundlage darstellen, sofern die im Bundesdatenschutzgesetz verankerten Rechte nicht unterschritten werden, wie hier dargestellt.

Konkret bedeutet dies, dass der Zweck und die Ziele der Handyortung präzise festzulegen sind. Die Nutzung der erhobenen Daten zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle des einzelnen Arbeitnehmers ist lediglich in Ausnahmefällen erlaubt. Grundsätzlich ist eine hinreichende Transparenz hinsichtlich der Vorgehensweise einzuhalten. Die heimliche Standortbestimmung oder Erstellung eines Bewegungsprofils ist datenschutzrechtlich unzulässig, es sei denn, es liegt ein begründeter Verdacht der Begehung einer Straftat vor.

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